Broschüre: Hate Crime in Russland - Monitoring und Unterstützung für Betroffene rassistischer Gewalt'

Beschreibung: 

Seit Mitte 2001 berät und unterstützt ReachOut Opfer und Zeug_innen rechter, rassistischer und antisemitischer Angriffe und Bedrohungen in Berlin. Die Angriffe werden recherchiert, dokumentiert und veröffentlicht. ReachOut möchte damit das Ausmaß dieser Gewalttaten realistischer spiegeln, als dies die offiziellen Statistiken der Ermittlungsbehörden vermögen.

Dennoch ist das Dunkelfeld bzgl. der Angriffe auf Menschen, die nicht in das Weltbild der Täter_innen passen, nach wie vor groß. Es existieren jedoch in Deutschland eine Vielzahl von unabhängigen Initiativen, Beratungsprojekten und Dokumentationsstellen, die das Ausmaß der Gewalt und die Situation der Opfer fokussieren, unabhängig davon, ob die Betroffenen bereit sind, Anzeige zu erstatten.

So entstanden in Berlin und in den ostdeutschen Bundesländern 2001 mit Hilfe staatlicher Förderung u.a. die Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Trotz unsicherer, prekärer Rahmenbedingungen konnten sich die Projekte etablieren und die Mitarbeiter_innen werden mittlerweile von Medienvertreter_innen, Wissenschaftler_innen und politisch Verantwortlichen als Expert_innen anerkannt. Dazu hat neben der konkreten Beratungsarbeit vor allem die professionelle Recherche- und Dokumentationsarbeit beigetragen. So liegen die Angriffszahlen, die die Opferberatungsprojekte veröffentlichen, weit über den Zahlen der Ermittlungsbehörden.

Über rechte, rassistische und antisemitische Gewalt in Osteuropa ist auf internationaler Ebene nur wenig bekannt. Demzufolge ist das Wissen über die Situation der Opfer und deren Angehörige selbst in Fachkreisen gering.

Aus der Recherche- und Beratungspraxis in Berlin weiß ReachOut, dass die Gruppe derjenigen, die rassistisch motiviert angegriffen werden und das Beratungsangebot in Anspruch nehmen, am größten ist. Deswegen konnte das Team von ReachOut gerade im Hinblick auf diese Opfergruppe in den letzten Jahren fundiertes Wissen und Erfahrungen sammeln.

Vor allem bei rassistisch motivierter Gewalt lässt sich das Täter_innenspektrum nicht auf organisierte Neonazis und deren unmittelbares Umfeld beschränken. Deswegen sieht ReachOut gerade in diesem Bereich einen besonderen Handlungsbedarf. Denn rassistische Einstellungen und Praxen sind in Russland - ganz ähnlich wie in Deutschland - gesellschaftlich und institutionell fest verankert. Die Opfer können bisher häufig keine professionelle Hilfe erwarten und werden mit der Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse allein gelassen.

Mit der vorliegenden Studie verfolgt ReachOut das Ziel, die Betroffenen rassistischer Gewalt und deren Situation auf internationaler Ebene in den Blickpunkt zu rücken. Von besonderem Interesse ist, welche Erfahrungen und Arbeitsbedingungen in ausgewählten Regionen Russlands existieren, um die Betroffenen und deren Anliegen zu unterstützen.

Darüber hinaus wird die Situation von (potenziell) Betroffenen aus der Perspektive von Projektvertreter_innen und anderen Expert_innen geschildert, die von den Opfern um Beratung und Hilfe gebeten werden, diese jedoch nicht in dem erforderlichen Umfang leisten können. Dabei stellt sich die zentrale Frage, welche Erfahrungen und Ressourcen in den Projekten vorhanden sind und welche Unterstützung sie brauchen.

Entstehen konnte die Studie nur in enger Zusammenarbeit und im Austausch mit einer Vielzahl von russischen Projektvertreter_innen und Einzelpersonen, die bereit waren, uns Interviews zu geben, für Fragen offen zu sein und die ersten Ergebnisse der Studie im Rahmen eines Arbeitstreffens zu diskutieren, kritisch zu kommentieren und zu ergänzen.

Mit der Studie verfolgt ReachOut das Anliegen, die Projekte bzw. deren Mitarbeiter_innen, die in Russland bisher unter schwierigen Bedingungen (teilweise unter Lebensgefahr) sehr engagiert arbeiten, zu unterstützen. Die Erarbeitung ihrer Konzepte, ihre Aufbauarbeit und Weiterentwicklung von Beratungs- und Monitoringprojekten bedarf einer praxisnahen, partnerschaftlichen Förderung. Dazu wird es einen langen Atem und nicht zuletzt die Bereitschaft von internationalen Organisationen brauchen, die Arbeit finanziell und inhaltlich zu unterstützen.

Im Zentrum der Bemühungen von ReachOut steht, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Situation der Opfer und die häufig lebenslangen Folgen der Angriffe für die Betroffenen stärker als bisher Beachtung findet. Die Studie ist ein Appell, den Betroffenen mit mehr Empathie und Respekt gegenüber zu treten, damit sie in Zukunft vor Angriffen besser geschützt werden können.

Sabine Seyb
ReachOut - Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus,Rassismus und Antisemitismus
 

Die deutsche Version der Broschüre als Pdf befindet sich im Anhang.

Die englische Version findet sich hier. http://www.reachoutberlin.de/de/content/reader-hate-crime-russia-monitoring-and-support-victims-racist-violence-has-been-published