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 Thema: PresseschauIn der Rubrik 'Presseschau' sind Presseberichte dokumentiert, in denen ReachOut erwähnt wird, und Beiträge von Mitarbeiterinnen von ReachOut:
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2010-08-27 Herausforderung Rechtspopulismus |
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UserReachOut
31.08.2010, 16:54 Uhr |
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Neues Deutschland
Berliner Broschüre setzt sich mit antimuslimischem Rassismus auseinander
Berliner Projekte haben bereits zum vierten Mal einen Schattenbericht veröffentlicht. Mit den »Berliner Zuständen 2009« legen die Initiativen ihre alternative Sicht zur staatlichen und medialen Perspektive auf Rechtsextremismus dar. Schwerpunkt war diesmal das Phänomen des antimuslimischen Rassismus.
Günstiger hätten die Verfasser ihre Publikation kaum zeitlich platzieren können. Mitten in der Debatte um das zweifelhafte Buch des Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin wurden in dieser Woche auch die »Berliner Zustände 2009 – Ein Schattenbericht über Rechtsextremismus und Rassismus« veröffentlicht. Bereits zum vierten Mal erscheint der »alternative Verfassungsschutzbericht«, in dem die Basisinitiativen und Projekte ihre Erfahrungen im Kampf gegen Rechts in Berlin auf 60 Seiten zusammenfassen.
Dass der diesjährige Schwerpunkt auf dem antimuslimischen Rassismus liegt, oftmals auch als Islamophobie bezeichnet, hat allerdings nicht nur mit den Tiraden Sarrazins zu tun. Obwohl die Berliner Opferberatung ReachOut, die rassistische Übergriffe dokumentiert, in ihrem Beitrag in der Broschüre durchaus davon ausgeht, dass der antimuslimische Diskurs genau wie die »Asyldebatte« zu Beginn der 90er Jahre Angriffe befördern könnte.
»Wir haben uns aber auch für den Schwerpunkt entschieden, weil uns alle Projekte berichtet haben, dass sie antimuslimische Ressentiments zunehmend wahrnehmen«, erzählt Annika Eckel von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR), die den Bericht gemeinsam mit dem Antifaschistischen Pressearchiv (apabiz) herausgibt. Für Berlin bedeutet dies auch die Herausforderung eines modernisierten Rechtsextremismus, der sich eine rechtspopulistische Tarnung gegeben hat und damit versucht auf dem antimuslimischen Wahlkampf-Ticket Erfolge zu erzielen. Wie die antiislamischen Gruppierungen in Berlin strukturiert sind, wird in den »Berliner Zuständen« ebenfalls dargestellt. Ulli Jentsch vom apabiz untersucht etwa erstmals detailliert, was sich hinter der »Bürgerbewegung Pax Europa« verbirgt, dessen Landesvorsitzender René Stadtkewitz zurzeit mit der Einladung des holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders in die Bundeshauptstadt für Empörung sorgt.
Wie stark die extreme Rechte in Berlin durch Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien im Rest Europas beeinflusst wird, zeigt auch der Wahlantritt der »Bürgerbewegung Pro Deutschland« zur Abgeordnetenhauswahl 2011. Neben Pax Europa und Pro Deutschland gibt es mit dem Internetblog »Politically Incorrect« zudem bereits drei in der Bundeshauptstadt aktive islamfeindliche Gruppierungen. Alle drei verbindet, dass sie die angeblich »schleichende Islamisierung« als Einfallstor für antimuslimischen Rassismus von Rechtsaußen in die Mitte der Gesellschaft instrumentalisieren.
Einfluss haben diese Diskussionen inzwischen auch auf die NPD. Deren Schwäche in Berlin in einem gesonderten Abschnitt des Berichts dargelegt wird. Nach starken personellen Querelen scheint sich die in Berlin stark neonazistisch ausgeprägte Partei wieder zu konsolidieren – in dem sie ebenfalls an antimuslimische Ressentiments anzudocken versucht.
Auf die Projekte und Initiativen gegen Rechts haben diese Entwicklungen allerdings ebenfalls Konsequenzen. »Es reicht nicht mehr, die Personen und Gruppen als Rechtsextreme zu brandmarken«, sagt Annika Eckel von der MBR. Darüber hinaus muss es eine inhaltliche Auseinandersetzung geben – zu Kopftüchern etwa und zur Integration allgemein. Die Broschüre leistet dafür einen Anfang. MARTIN KRÖGER
Die Broschüre »Berliner Zustände 2009« gibt es für 3 Euro bei der MBR oder im Internet als PDF-Datei: http://www.mbr-berlin.de
URL: http://www.neues-deutschland.de/artikel/178347.herausforderung-rechtspopulismus.html
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2010-07-29 “In diesem Kampf gibt es keinen Platz für Rassismus" |
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UserReachOut
05.08.2010, 14:22 Uhr |
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Jungle World Nr. 30
Judith Butler hat mit ihren Theorien zu Sex und Gender den Poststrukturalismus erweitert und den Feminismus revolutioniert. In der letzten Zeit hat sie sich verstärkt der Antikriegsbewegung zugewandt. In ihrem aktuellen Buch »Raster des Krieges« widmete sie sich der Frage nach der Bewertung von Leben. Mit einer Aussage zum Nahost-Konflikt bei einem Teach-In 2006 in Berkeley, die islamistischen Terrororganisationen Hamas und Hizbollah seien »progressiv« und »links«, hat sich Butler scharfe Kritik eingehandelt. Aufmerksamkeit erregte die Theoretikerin und Aktivistin jüngst auch damit, dass sie den »Preis für Zivilcourage« ablehnte, der ihr anlässlich des diesjährigen CSD in Berlin verliehen werden sollte. Butler nahm die Ehrung nicht an, da sich der CSD nicht genügend von Rassismus distanziere. Butler ist Professorin für Rhetorik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität in Berkeley. Das Interview wurde per E-Mail geführt.
Sie gelten als Begründerin der Gender Studies und sind eine wichtige Vertreterin der poststrukturalistischen Theorie. Auch in der deutschen Linken hat ihre Stimme Gewicht. In letzter Zeit haben Sie oft über den War on Terror und die Politik Israels gesprochen. Warum sind Ihnen diese Themen wichtig?
Ob ich die Begründerin der Gender Studies bin, weiß ich nicht. Es gibt eine ganz Reihe von Menschen, die sich schon vorher mit dem Thema Gender beschäftigt haben, beispielsweise Gayle Rubin und einige AnthropologInnen. Ich habe vielleicht gemeinsam mit anderen dazu beigetragen, Gender als wichtige Kategorie zu etablieren. Aber ich habe auch mit AkademikerInnen und AktivistInnen gearbeitet, als »Queer« der Begriff wurde, um Politik mit akademischer Forschung zu verbinden, zu Beginn der Aids-Krise.
Während der Aids-Krise (die übrigens andauert, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent) habe ich über den Skandal geschrieben, dass Homosexuelle ums Leben kommen, ohne dass explizit und öffentlich um sie getrauert wird. Es war, als hätte es ihr Leben nie gegeben und als wäre es kein wirklicher Verlust. Diese Situation hat sich geändert, doch am Anfang gab es sehr wenig öffentliche Beachtung für diesen Verlust und ich war der Meinung, dass sich Homophobie darin ausdrückt, dass man Schwule und Lesben als »unbetrauerbares Leben« ansieht. Nach dem 11. September 2001 hat die USA öffentlich sehr stark um ihre Toten getrauert, anders als um die Opfer amerikanischer Militäreinsätze im Ausland. Ich wollte verstehen, wie die Bevölkerung durch die Unterscheidung in betrauerbares und unbetrauerbares Leben organisiert wird. Damals wie heute war es außerdem notwendig, dass amerikanische Intellektuelle den Rassismus in den USA und die rassistischen Begründungen des Krieges in Afghanistan und Irak kritisieren.
Ich habe einen jüdischen Familienhintergrund. Viele meiner Verwandten wurden während des Genozids durch die Nazis umgebracht, der sich auch gegen Sinti/Roma, Homosexuelle, KommunistInnen, Behinderte und WiderstandskämpferInnen richtete. Vielleicht war ich deswegen mein ganzes Leben lang interessiert an Widerstandskoalitionen und dem Kampf gegen die Gewalt des Staats. Ich bin Teil einer wachsenden Gruppe der jüdischen Linken, die den illegitimen Einsatz staatlicher Gewalt durch Israel kritisiert und darauf insistiert, dass Israel nicht alle Juden und Jüdinnen und auch nicht alle jüdischen Werte repräsentiert. Ich weiß, dass man das in Deutschland nicht gern hört, und dafür gibt es gute Gründe. Aber ich habe die Hoffnung, dass die deutsche Linke weiterhin Antisemitismus und andere Formen des Rassismus bekämpft und dass sie sich mit der jüdischen Linken zusammenschließt. Wir sind keine selbsthassenden Juden oder Jüdinnen, wenn wir Israel kritisieren. Für einige von uns ist die Kritik Israels vielmehr ein Weg, jüdische Werte wie Gerechtigkeit, ein friedliches Zusammenleben und soziale Gleichheit zu bewahren.
Außerdem gibt es nicht »die eine« Kritik. Einige Leute kritisieren die Siedlungen, andere sind lediglich gegen die Politik in Gaza. Andere wiederum kritisieren die Besatzung und wieder andere die Enteignung von PalästinenserInnen 1948 und fordern Anerkennung und Kompensation. Es gibt also eine ganze Reihe von »kritischen« Positionen. Einige sind zionistisch, andere nicht. Die Vorstellung »Juden gleich Israel« beruht auf einer monolithischen Idee des Judentums selbst und vielleicht wäre der erste Schritt für eine ernsthafte Opposition gegen Antisemitismus, die Komplexität anzuerkennen, die der Geschichte und der Demografie des jüdischen Volkes eigen ist.
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2010-07-06 Rassistisches Mobbing in der Schule |
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UserReachOut
06.07.2010, 15:38 Uhr |
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MUT-gegen-rechte Gewalt.de
Wie reagieren, wenn das eigene Kind in der Schule rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt ist? Eine Broschüre der Opferberatungsstelle ReachOut zeigt auf, worauf Eltern achten müssen und wohin sie sich für Unterstützung wenden können.
Ängstlichkeit und Unsicherheit, Aggressivität, Bettnässerei, Traurigkeit – das alles können Anzeichen von Mobbing bei Kindern sein. „Viele Eltern verstehen nicht, was mit ihrem Kind passiert“, so Sanchita Basu von der Opferberatungsstelle ReachOut. Die Kinder wollten oder könnten sich oftmals nicht klar ausdrücken und selbst wenn deutlich werde, dass es mit Diskriminierungen zu tun habe, wüssten die Eltern nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Zum Handeln ermutigen
Die Eltern reagieren sehr unterschiedlich. Manche bagatellisieren die Vorfälle, manche gehen mit ihren Kindern kaum noch vor die Tür, andere wiederum werden aktiv. So eine Mutter, deren Kind plötzlich – scheinbar grundlos – nicht mehr zur Schule gehen wollte. Als ihr die Ursache, rassistisches Mobbing, deutlich wurde, gründete sie eine „AG Rassismus“ an der Schule und wandte sich an Sanchita Basu. Um auch andere Eltern zu ermutigen, sich mit den Problemen ihres Kindes intensiv auseinanderzusetzen, entwickelten sie die Broschüre „Rassistisches Mobbing in der Schule“. Basu betont, dass die knapp gehaltene Broschüre nur ein Anfang sein kann um Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer zu bestärken, sich Hilfe zu suchen. Für komplexere Handreichungen fehlten leider die finanziellen Mittel.
Vielfältige Ansätze
Die Ideen und Ansätze, die ReachOut zum Umgang mit rassistischem Mobbing entwickelt hat, sind vielfältig. Psychische Betreuung der Betroffenen, Workshops und Trainings mit Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern wären notwendig. Oft bleibt aus Geld- und Zeitgründen nur die Möglichkeit, eine Bedarfsanalyse zu machen und den Lehrenden mit auf den Weg zu geben sich selbst um entsprechende Schulungen zu kümmern. Eigene Projekte führt ReachOut vor allem mit Schülerinnen und Schülern selbst aus: „Wir machen Workshops an verschiedenen Schulformen, besonders an Grundschulen“, erzählt Basu.
Rapper als Vorbild
Rassistisches Mobbing in der Schule ist ein Problem aller Altersstufen. „Bei Grundschulkindern ist es jedoch einfacher, einen Zugang zum Thema zu finden. Die Kinder haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und hinterfragen, wenn das Thema einmal angesprochen wurde, schnell, warum Mitschülerinnen und Mitschüler etwa mit dunklerer Hautfarbe eigentlich anders behandelt werden“, so Basu. Bei älteren Kindern sei es schon weit schwerer, da sie jeglichen emotionalen Zugang zunächst verweigerten. Hier bedarf es vermittelnden Menschen, die von den Schülerinnen und Schülern als Respektpersonen wahrgenommen werden. „Viel Erfolg hatten wir mit einem HipHop-Projekt, bei welchem zwei Rapper eine Projektwoche mit einer Klasse machten, die ein Mitschüler aufgrund seiner Rassismuserfahrungen bereits verlassen müsste. Zu Beginn der Woche kamen die entsprechenden Schüler zur Provokation mit Deutschlandfahnen zum Workshop. Nach einigen Tagen reflektierten sie jedoch ihr Verhalten und schrieben Texte für eine HipHop-CD zu rassistischem Mobbing“, resümiert Basu.
Gerade für Kinder erfordert es viel Mut die erfahrenen Diskriminierungen anzusprechen. Die Lehrenden und Eltern müssen aufmerksam sein, Probleme ernst nehmen und mit den Kindern einen gemeinsamen Lösungsweg suchen. Diese wichtige Broschüre bietet eine erste Orientierung für alle Beteiligten. LISA DOPPLER
http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/um-rat-gefragt/rassistisches-mobbing-in-der-schule.print.html
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2010-07-02 Bündnis der Vernunft verlieh "Band für Mut und Verständigung 2010" |
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UserReachOut
05.07.2010, 16:04 Uhr |
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respekt.dgb.de
Am heutigen Freitag, den 02. Juli 2010 verlieh das Bündnis der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit das „Band für Mut und Verständigung“ zum 17. Mal. Ausgezeichnet wurden Bürgerinnen und Bürger aus Berlin und Brandenburg, die sich aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzten und damit einen Beitrag zu einer offeneren und toleranteren Gesellschaft leisten.
Am heutigen Freitag, den 02. Juli 2010 verlieh das Bündnis der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit das „Band für Mut und Verständigung“ zum 17. Mal. Ausgezeichnet wurden Bürgerinnen und Bürger aus Berlin und Brandenburg, die sich aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzten und damit einen Beitrag zu einer offeneren und toleranteren Gesellschaft leisten.
Ministerpräsident Platzeck, der seine Teilnahme aufgrund der Vereidigung des neuen Bundespräsidenten leider kurzfristig absagen musste, wurde vertreten durch den Kulturstaatssekretär des Landes Brandenburg, Martin Gorholt.
In seiner Rede wies dieser darauf hin, dass Brandenburg sich verändert habe, offener und toleranter geworden ist. Rechtsradikale seien im Stadtbild seltener, Bekenntnisse zu Gewaltfreiheit und demokratischen Werten häufiger geworden. Und dennoch: „Jeder einzelne rassistische oder radikale Vorfall ist einer zu viel.“
Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger sind für Gorholt Menschen, „die nicht danach fragen wer zuständig ist. Sie tun selbst etwas. Stellvertretend für viele andere haben sie bewiesen, dass Mut und Verständigung viel bewegen können. Und sie schaffen ein Band, das die Menschen in unserer Region zusammenhält. Die Auszeichnung soll sie bestärken ihren Weg weiterzugehen und andere motivieren mitzumachen.“
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Sonderpreisträger/innen „Band für Mut und Verständigung 2010“
Initiative gegen Rechts Friedrichshain
Die Initiative gegen Rechts Friedrichshain gründete sich im Jahr 2006, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass laut polizeilicher Statistik die häufigsten Übergriffe mit rechtsextremen Hintergrund in Friedrichshain stattfanden.
Seitdem engagiert sich die Initiative in vielfältiger Weise für ein tolerantes und offenes Zusammenleben und gegen Rassismus und rechte Gewalt in ihrem Bezirk. Sie führt u. a. das Register zur Erfassung rassistisch, antisemitisch und rechtsextrem motivierter Vorfälle in Friedrichshain in Zusammenarbeit der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (mbr) und der Opferberatungsstelle „ReachOut“.
Im Sommer 2009 machte die Initiative mit einer kreativen Containeraktion mobil gegen die Eröffnung eines „Thor Steinar“ -Ladens in Friedrichshain, indem sie einen „Infocontainer für Vielfalt und Demokratie“ in einer Parkbucht direkt vor dem Laden platzierte. Mit diesem Projekt lenkte die Initiative die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Probleme des Bezirks mit Rechtsextremismus und Rassismus. Sie initiierte außerdem zahlreiche Veranstaltungen und Vernetzungsrunden, in denen z. B. Gewerbetreibende über Möglichkeiten des demokratischen Engagements informiert wurden (Broschüre „Service-Wüste für Nazis - Eine Handreichung für Gewerbetreibende.“ wurde erarbeitet, inkl. Aufkleber für Fensterscheiben und Türen des Gewerbes).
Ein weiterer Schwerpunkt der Initiative gegen Rechts Friedrichshain ist die jährlich stattfindende Biermeile auf der Karl-Marx-Allee, bei der es regelmäßig zu rassistisch motivierten Übergriffen kam. Seit 2006 ist sie dort mit einem Infostand vertreten, im letzten Jahr gestaltete sie das Programm auf einer der Bühnen. Mittlerweile hat sich zu dieser Veranstaltung eine feste Arbeitsgruppe gegründet, in der die Initiative u. a. mit dem Veranstalter und der Polizei zusammenarbeitet.
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ILDIKÓ PALLMANN
http://www.respekt.dgb.de/article/articleview/7391/1/48/
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2010-07-01 "Ich bin für Spaß und Genuss" |
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UserReachOut
01.07.2010, 15:58 Uhr |
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Taz
RASSISMUS Die Geschlechterforscherin Judith Butler über Rassismus, Homophobie und das Problem, etwas Falsches durch etwas anderes Falsches korrigieren zu wollen
INTERVIEW PETER REHBERG
taz: Frau Butler, in welcher Weise sehen Sie den Berliner CSD in Komplizenschaft mit Rassismus?
Judith Butler: Mehrere der Organisatoren und Sponsoren haben öffentlich Meinungen vertreten, die Communitys türkischer, nordafrikanischer und arabischer Herkunft herabwürdigen.
Wen meinen Sie damit?
Ich spreche von Inhalten, die zum Beispiel auf Webseiten vertreten werden (siehe taz.de, Anm. d. Red.) Ich betrachte diese Beiträge als Formen von Rassismus, denen man entgegentreten muss. Ich war auch darüber alarmiert, was für ziemlich schreckliche Stereotype unter einigen der prominentesten Figuren beim Berliner CSD zirkulierten. Natürlich haben nicht alle Organisatoren des CSD solche Äußerungen gemacht, aber die Tatsche, dass solche Äußerungen von den jetzigen Organisatoren nicht verurteilt worden sind, war genug, um mich zu überzeugen, dass die Annahme des Preises eine Komplizenschaft mit Rassismus bedeuten würde.
Haben Sie sich mit mehreren Gruppen getroffen, bevor Sie den Preis verweigert haben?
Ja, ich habe mich mit mehreren Gruppen getroffen und wurde auch von mehreren anderen Gruppen in Europa und den Vereinigten Staaten gebeten, unter diesen Bedingungen den Preis nicht anzunehmen.
Wann haben Sie sich entschlossen, den Preis nicht anzunehmen?
Endgültig habe ich mich am Abend vor der Preisübergabe dazu entschlossen.
Einer der kontrovers diskutierten Punkte in letzter Zeit in Berlin betrifft das Vorgehen des schwulen Überfalltelefons "Maneo". Auf Fragebögen zur Erfassung homophober Gewalt wird die Möglichkeit angeboten, den ethnischen Hintergrund des Angreifers anzugeben …
Ich denke, dass das eine rassistische Vorgehensweise ist. Beschuldigen wir alle Juden, wenn eine jüdische Person etwas Falsches getan hat? Beschuldigen wir alle Frauen, wenn eine Frau etwas Falsches getan hat? Wenn jemand etwas Kriminelles getan hat, ist die Handlung kriminell, nicht die Person, und nicht der ethnische oder religiöse Hintergrund einer Person. Eine solche Taktik ist bestrebt, Minderheiten für Handlungen verantwortlich zu machen, die sicherlich genauso häufig von rechtsextremen Deutschen begangen werden, deren nationale Zugehörigkeit nicht erwähnenswert ist. Sicherlich muss jede Kampagne gegen Homophobie dafür sorgen, dass der absolut falsche Charakter jedes Angriffs von sexuellen Minderheiten oder Gender-Minderheiten, und dazu gehören auch Transsexuelle, Aufmerksamkeit bekommt. Aber sie muss auch die Bürgerrechte aller Menschen schützen, und dazu gehören alle Minderheiten. Als jemand mit einem jüdischen Hintergrund bin ich sehr alarmiert, wenn man den ethnischen oder religiösen Hintergrund auf einem solchen Fragebogen angeben soll. Es läuft darauf hinaus, Minderheiten zur Zielscheibe zu machen, und es kann nicht richtig sein, etwas Falsches zu korrigieren, indem man erneut etwas Falsches macht.
Eine Studie des Soziologen Bernd Simon von der Universität Kiel besagt, dass eine homophobe Einstellung bei Jugendlichen, die aus der ehemaligen Sowjetunion, der Türkei oder arabischen Ländern stammen, stärker ist als bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.
Eine interessante Studie, keine Frage. Aber wirft sie auch einen Blick auf homophobe Attacken von jugendlichen und erwachsenen Neonazis? Und was ist der Zusammenhang zwischen Homophobie und rechtsextremen Bewegungen? Wir müssen mit diesen Studien vorsichtig sein, weil wir nicht wissen, wie sie ihre Untersuchungsgesamtheit finden und wie die Interviews geführt werden.
Eine wirksame Präventionsstrategie kommt Ihrer Meinung nach also ohne die Information ethnischer Zugehörigkeit aus. Sollte man auf diese Angabe verzichten?
Es ist eine Art und Weise, ein rassisches Profil zu erstellen, was eine Beschneidung der Menschenrechte bedeutet. Hochinteressant und dringend wäre es erstens, alle Formen homophober Gewalt zu berücksichtigen, inklusive derer, die von Rechtsextremen begangen werden - und zu gucken, wie die "Fakten" aussehen würden, wenn wir diese Frage stellen. Und zweitens mit Gruppen farbiger Queers, die aus Migrantencommunitys kommen, zusammenzuarbeiten, die immer mit der Frage von Rassismus innerhalb der "queer community" umgehen müssen sowie mit der Frage von Homophobie innerhalb und außerhalb der Minderheitencommunitys. Nur dann können wir ein echtes Bild sich überschneidender Unterdrückungen bekommen und eine weitreichende und wirksame Koalition gegen Gewalt ermöglichen.
Wenn Sie denken, die ethnische Zugehörigkeit von Gay-Bashern sollte nicht diskutiert werden, wie kann eine solche Strategie von einer Haltung unterschieden werden, die Homophobie nicht ernst nimmt?
Homophobie ernst zu nehmen, heißt zu akzeptieren, dass sie auf unterschiedlichen Ebenen existiert und in verschiedenen Schichten der Gesellschaft. Wir sollten uns für die Homophobie innerhalb der CDU oder innerhalb der katholischen Kirche interessieren, aber auch unter Liberalen der Mittelklasse und neuen rechtspopulären Organisationen. Wenn wir dann vielleicht Homophobie innerhalb von Migrantencommunitys in Betracht ziehen, würden wir eine Art und Weise des Nachdenkens über Homophobie haben, die Rassismus nicht wiederholt. Aber untersuchen wir das Problem? Oder versuchen wir, diese Homophobie zu bekämpfen? Wenn wir das versuchen, müssen wir es in einem Zusammenhang einer Allianz machen, für die der Kampf gegen Rassismus genauso wichtig ist wie der Kampf gegen Homophobie.
Geht ihre Argumentation nicht davon aus, dass der Kampf gegen Rassismus wichtiger ist als der Kampf gegen Homophobie?
Nein, sie sind beide gleichermaßen inakzeptabel.
Sie haben Hamas und Hisbollah als einen Teil der Linken bezeichnet. Gibt es für diese beiden palästinensischen Organisationen einen Platz innerhalb einer queeren Koalition gegen Rassismus und Homophobie?
Mir ist klar, dass einige Leute mich in der Weise zitiert haben, dass ich Hamas und Hisbollah als links verstehen würde. Bei dem Statement in seiner Gänze betrachtet, als Antwort auf eine Frage, die aus dem Publikum kam, ging es allerdings darum, dass diese Bewegungen zwar als links beschreibbar sind, aber dass man, wie mit jeder Bewegung auf Seiten der Linken, entscheiden muss, ob es eine Bewegung ist, die man unterstützt oder nicht. Ich habe niemals eine dieser Bewegungen unterstützt, und da ich mich selber zur Gewaltlosigkeit verpflichtet fühle, wäre es für mich auch unmöglich, eine von ihnen zu unterstützen. Es ließe sich viel dazu sagen, wie sie sich gebildet haben und was ihre Ziele sind und in welcher Weise sie einen Kampf gegen Kolonialismus und Imperialismus darstellen. Aber dabei geht es für mich um analytische und beschreibende Arbeit - nicht um Anhänglichkeit oder Unterstützung.
In welcher Weise ist die Situation in Ländern wie den Vereinigten Staaten und Deutschland in Bezug auf Rassismus, Homophobie und ihre Überschneidungen vergleichbar?
Ich bin nicht in der Lage, Verallgemeinerungen dieser Art vorzunehmen. Aber ich habe bemerkt, dass in Deutschland unter Rassismus oftmals nur Antisemitismus verstanden wird, und es ist weit verbreitet, den Verweis auf "Rasse" zurückzuweisen unter Berufung darauf, dass diese Kategorie selbst Rassismus vorantreibt. Aber wir müssen in der Lage sein, die verschiedenen ineinander verzahnten Geschichten von Rassismus zu verstehen, Antisemitismus und Anti-Schwarzen-Rassismus zum Beispiel. Es gibt historisch neue Formen des Rassismus, die wir untersuchen und gegen die wir uns stellen müssen, also hoffe ich, dass der Diskurs über Rasse und Rassismus in den kommenden Jahren präziser und gründlicher wird.
Haben wir tatsächlich zwei verschiedenen Welten, die kommerzielle weiße schwule Welt auf der einen Seite und die multikulturelle, queere, politische auf der anderen?
Ich glaube nicht, dass das Problem darin liegt, dass die eine Gruppe zu dem einen und die andere zum anderen Event geht. In der Tat habe ich angenommen, dass es Überlappungen gibt, deshalb habe ich auch überhaupt erst zugesagt. Es ist mir relativ egal, ob diese Veranstaltungen kommerziell sind. Aber es ist mir nicht egal, wenn Organisatoren und Sponsoren der Veranstaltungen an rassistischen Praktiken teilhaben oder offene Verachtung für Minderheiten äußern. Für mich ist "queer" eine aktive Bewegung unter Minderheiten, die zu Koalitionen führen sollte, und wenn eine Minderheit im Namen einer anderen geopfert wird, hat die Bewegung ihren politischen Anspruch auf Gerechtigkeit und Gleichheit verloren. Ich bin für Spaß und Genuss, und ohne Frage genieße ich auch kommerzielle Vergnügen, aber ich denke nicht, dass das Recht auf Vergnügen wichtiger ist als das Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit. Ich habe sozusagen deutlich gemacht, wozu ich mich verpflichtet fühle.
"Ich denke, dass das Recht auf Vergnügen nicht wichtiger ist als das Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit"
Judith Butler
54, ist Professorin für Rhetorik und vergleichende Literaturwissenschaft an der European Graduate School und an der University of California, Berkeley. Mit ihrem 1990 erschienenen Buch "Gender Trouble" ("Das Unbehagen der Geschlechter") erteilt die Geschlechterforscherin dem klassischen Feminismus eine Absage: "Der Versuch, den Feind in einer einzigen Gestalt zu identifizieren, ist nur ein Umkehrdiskurs, der unkritisch die Strategie des Unterdrückers nachahmt, statt eine andere Begrifflichkeit bereitzustellen." Das Buch gilt als Schlüsselwerk
der "Queer Studies".
Das Problem
Judith Butler hat den Zivilcourage-Preis des Berliner CSD abgelehnt. Ihre Begründung war, dass der CSD sich gegenüber Rassismus nicht ausreichend distanzieren würde - und zu kommerziell wäre, im Unterschied zum transgenialen CSD, den Butler als politisch versteht. Ihre Ablehnung stützt Butler vor allem auf Versuche, Schwulenfeindlichkeit besonders bei ethnischen Minderheiten zu thematisieren. Eine solche Haltung wird von Judith Butler als rassistisch abgelehnt. Stattdessen fordert sie ein "Nachdenken über Homophobie, das Rassismus nicht wiederholt".
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&dig=2010%2F07%2F01%2Fa0172&cHash=30ae66daaa
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2010-06-28 CSD e.V.: Butlers Aktion hat Gräben aufgerissen |
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UserReachOut
30.06.2010, 14:29 Uhr |
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queer.de
Die Diskussion um die Rassismusvorwürfe von Judith Butler geht weiter. Der Berliner CSD e.V. nimmt Stellung:
Für uns überraschend hat Judith Butler am 19. Juni 2010 auf der Hauptbühne den Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V. abgelehnt. In keinem der Vorgespräche, auch nicht unmittelbar vor ihrem Auftritt, hat Butler die gegen den CSD e.V. gerichteten Vorwürfe kommuniziert. Wir bedauern das außerordentlich, denn sie war offensichtlich schlecht und einseitig informiert.
Sie bezichtigte die Veranstalter rassistische Äußerungen gemacht zu haben, oder sich davon nicht zu distanzieren und wollte den Preis weiterreichen an GLADT, LesMigraS, SUSPECT und ReachOut. Wir haben auch nach diesem Vorfall den Kontakt mit Judith Butler aufrechterhalten und sie schrieb: "Ich verstehe, dass es besser gewesen wäre mit Euch vor oder nach der Veranstaltung ein Gespräch zu führen und diese Unhöflichkeit tut mir leid. Aber vielleicht am wichtigsten ist, dass der CSD mit den Gruppen Gespräche aufnimmt, die mich kontaktiert haben und deren Kritik am CSD und dessen angeschlossenen Organisationen tiefschürfend ist."
Der CSD Berlin wird ausschließlich vom Berliner CSD e.V. getragen und organisiert. Es gibt keine "angeschlossenen" Organisationen. Der Berliner CSD e.V. wendet sich seit jeher gegen jede Form des Rassismus, Sexismus und anderer Ausgrenzung und hat dies in seiner Arbeit auch immer kommuniziert. Eine der von Butler genannten Gruppen - die Lesbenberatung mit ihrem Antigewalt- und Antidiskriminierungsbereich LesMigraS - hat genau für diese Tätigkeit im Jahr 2006 bereits den Zivilcouragepreis erhalten: "Diese Einrichtung ist eine Institution - und weit über Berlins Grenzen hinaus bekannt. Seit 25 Jahren arbeitet sie dort, wo oft kein Glanz hinfällt, womit kein Ruhm zu ernten ist: Frauen zu helfen - in Coming-out-Fragen, in anderen Lebenslagen ebenso. Das Haus an der Kulmer Straße 20a ist ganz besonders für Migrantinnen zur ersten Adresse geworden, ihr "Schicksal" quasi nicht allein tragen zu müssen - als "Fremde" in Deutschland, oft rassistisch beäugt, als Lesbe obendrein. Für diese Arbeit gebührt der Lesbenberatung Berlin jede Anerkennung - und selbstverständlich der Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V."
Der Berliner CSD e.V. unterstützt den Transgenialen CSD
Der CSD e.V. hat bereits 2004 den Berlin Pride (zuerst nur als Kulturprogramm in der sogenannten Pride Week und seit 2008 auch als politisches und gesellschaftspolitisches Begleitprogramm) ins Leben gerufen. Das Ziel des PRIDE ist die Förderung schwullesbischer Kultur und die Darstellung der Community in Ihrer ganzen Vielfalt. Im Rahmen dessen fanden dieses Jahr mehr als 200 Veranstaltungen aus den Bereichen Theater, Comedy, Shows; Ausstellungen; Film; Sport; Vorträge, Konferenzen und Partys statt, unter anderem auch der Vortrag von Fr. Butler in der Volksbühne zum Thema "Queere Bündnisse und Antikriegspolitik." Wir sind stolz, dass wir es ganz im Sinne von Butlers "queeren Bündnissen" geschafft haben, hier Partnerschaften mit den unterschiedlichsten Organisationen zu bilden und deren Events, Ansichten und Anliegen an die breite Öffentlichkeit zu befördern. Dazu gehört im Übrigen auch der Transgeniale CSD, den der Berliner CSD e.V. als sehr gute Ergänzung des CSD ansieht und bereits seit zwei Jahren derartig unterstützt. Das Team des CSD Berlin wird auch dieses Jahr wieder am transgenialen CSD mitdemonstrieren, wie jedes Jahr in dem die beiden Veranstaltungen nicht parallel stattfinden und die Möglichkeit dazu besteht. Wir verstehen den CSD Berlin allerdings nicht als rein antikapitalistische Veranstaltung, sondern wenden uns mit der CSD Parade und anderen CSD Veranstaltungen gegen Trans- und Homophobie in allen Gesellschaftsbereichen und sind der Meinung, dass es auch in einem marktwirtschaftlichen System Trans- und Homophobie vehement bekämpft werden muss. Wir sehen selbst in der Teilnahme von den Lesben und Schwulen in der Union (LSU) an der CSD-Parade keinen Widerspruch in dieser Aussage, da diese Gruppe wichtige Aufklärungs- und Gleichstellungsarbeit in einer Partei betreibt, die als Ganzes Homo- und Transrechten eher negativ gegenübersteht. Gleichzeitig hat sich der Berliner CSD e.V. auch nicht davon abhalten lassen, die Parade vor der CDU-Parteizentrale anzuhalten, die Musik am Führungswagen auszuschalten und mit zahlreichen Engeln und Vuvuzelas, wie die Trompeten von Jericho, gegen das Konrad-Adenauer-Haus Sturm zu blasen.
Dem CSD e.V. ist der Streit und die Rassismusvorwürfe zwischen GLADT & LesMigraS und dem LSVD & Maneo durchaus bekannt, aber wir lassen uns dafür nicht in Geiselhaft nehmen. Der LSVD und Maneo haben nicht mehr Einfluss auf die Inhalte, Ausrichtung und Organisation des CSD als GLADT oder LesMigraS. Judith Butler hat, wahrscheinlich aus Unwissenheit, dem Berliner CSD e.V. für andere Organisationen eine Ohrfeige verpasst, womit wir allerdings problemlos leben können. Wir werden das zum Anlass nehmen, verstärkt ALLE Gruppen besser einzubinden.
Respektloses Theater gegenüber der Laudatorin
Auf der Website des transgenialen CSD kommentieren die Organisatoren den Auftritt von Judith Butler mit den Worten: "Wir finden das große Klasse, ganz großes Theater! Danke, Judith!" Der Berliner CSD e.V. sieht das ganz genauso. Auch wir finden es große Klasse, dass nach dem CSD heftigst über politische Aspekte von Homo- und Transphobie diskutiert wird. Wir sind auch der Meinung, dass es ganz großes Theater war! Gleichzeitig bedauern wir ausdrücklich, dass dieses Theater einerseits respektlos gegenüber ihrer Laudatorin und dem anderen, ebenfalls sehr verdienten Preisträger Martin Dannecker ist und andererseits respektlos gegenüber der Berliner queeren Community, die sich wie jedes Jahr vor dem CSD in fünf basisdemokratischen CSD Foren auf das Leitthema, Motto und die Forderungen des CSD Berlin geeinigt hat. Gerade 2010 hat sich gezeigt, dass die Berliner Community mit dem Thema "Normativität/Normalität" und der Hauptforderung Intersexuellen und Trans* Menschen ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Leben zu ermöglichen sehr wohl in der Lage ist, auch Minderheitenthemen innerhalb der Community vornan zu stellen. Diese berechtigten Forderungen sind nun in der Aufregung rund um Judith Butler fast vollkommen untergegangen.
Aus den uns vorliegenden Rückmeldungen ist ersichtlich, dass die Aktion von Judith Butler eher Gräben aufgerissen hat, als eine gemeinsame Gesprächsbasis zwischen den Organisationen zu schaffen. Der CSD e.V. wird selbstverständlich weiter das Gespräch mit den von Butler genannten Gruppen suchen, vermittelnd wirken und versuchen alle Positionen produktiv in die Gestaltung künftiger CSDs einzubinden. Wir laden GLADT, SUSPECT, LesMigraS und ReachOut hiermit ausdrücklich öffentlich ein - und nicht nur wie bisher über die allgemeinen E-Mails und in den Medien publizierten Aufrufe - sich ebenfalls an den CSD Foren zu beteiligen, ihre Forderungen einzubringen und in einem von Butler geforderten queeren Bündnis auch auf dem "großen" CSD ihre Forderungen zu kommunizieren.
In Ihrer Mail bat uns Fr. Butler, die in diversen Medien und Kommentaren aufgekommenen Vorwürfe über ihre Reisekosten klarzustellen, was wir gerne tun werden. Der CSD e.V. hat Fr. Butler kostenlos ein Zimmer im Hotel Adlon zur Verfügung gestellt. Außerdem hat der CSD e.V. 1.400 Euro für den Flug von Fr. Butler bereit gestellt, die vom Suhrkamp Verlag und Queer Nations e.V. co-finanziert wurden. Auf diese Flugkosten hat Fr. Butler im Nachhinein verzichtet. Wir werden diese 1.400 Euro unseres Zivilcouragepreisbudgets nun im Sinne der von Fr. Butler eingeforderten Weiterreichung ihres Preises an die vier von ihre genannten Organisationen zur Finanzierung ihrer wichtigen Arbeit spenden.
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12377
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2010-06-20 Presseerklärung von SUSPECT |
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UserReachOut
30.06.2010, 16:06 Uhr |
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Als Berliner Queer und Trans-of-Colour-AktivistInnen und Verbuendete begrüßen wir die Entscheidung Judith Butlers, den Zivilcouragepreis des Berliner CSD e.V. abzulehnen. Wir freuen uns, dass eine renommierte Theoretikerin die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr zu Gute kommt, nutzt, um Queer-of-Colour-Kritiken gegen Rassismus, Krieg, Grenzen, Polizeigewalt und Apartheid zu würdigen. Wir schätzen vor allem ihren Mut, die Nähe der Veranstalter zu homonationalen Organisationen offen zu kritisieren und zu skandalisieren. Ihre couragierte Rede ist nicht zuletzt auch das Resultat ihrer Offenheit für neue Anstöße, und ihrer Bereitwilligkeit, sich mit unserer jahrelangen aktivistischen und akademischen Arbeit auseinanderzusetzen, die allzu oft isoliert, prekarisiert, angeeignet und instrumentalisiert wird.
Dies ist auch jetzt schon wieder zu bemerken, denn die People of Colour Organisationen, die ihrer Meinung nach den Preis eher verdient hätten als sie, werden in sämtlichen bisherigen Presseberichten mit keinem Wort erwähnt. Butler bot den Preis laut und deutlich GLADT (www.gladt.de), LesMigraS (www.lesmigras.de), SUSPECT und ReachOut (www.reachoutberlin.de) an, doch die einzige politische Veranstaltung, an die sich Leute erinnern, ist eine weiß dominierte – der transgeniale CSD. Statt Rassismus konzentriert sich die Presse auf eine plumpe Kommerzialismuskritik. Dabei drückte sich Butler ganz klar aus: „In diesem Sinne muss ich mich von der Komplizenschaft mit Rassismus, einschließlich anti-muslimischen Rassismus, distanzieren.“ Sie stellt fest, dass nicht nur Homosexeulle sondern auch „bi, trans, queere Leute benutzt werden können von jenen, die Kriege führen wollen.“
Vorgestellt wurde Butler von Renate Künast (Bündnis 90 / Die Grünen) – Laudatorin mit deutlichen Schwierigkeiten, sowohl den Namen der Preisträgerin auszusprechen, sowie die Kernaspekte ihrer Schriften zu erfassen, und zwar als beharrliche Kritikerin. Bei den Moderatoren Jan Salloch und Ole Lehmann bewirkte ebendiese Kritik jedoch Gesichtsentgleisung. Anstatt sich in irgendeiner Art mit der Rede auseinanderzusetzen, fiel ihnen nichts anderes ein, als den Vorwurf des Rassismus weit von sich zu weisen und die ca. 50 Queers of Colour und Verbündete, die zu Butlers Unterstützung gekommen waren, mit den Worten zu beschimpfen: „Ihr könnt so laut schreien, wie Ihr wollt, Ihr seid nicht die Mehrheit. Es reicht.“ Dem folgt die zur Kulisse des Brandenburger Tors passende Imperialismusphantasie: „Der CSD macht einfach weiter in seinem Programm.. egal was ist.. weltweit und auch hier in Berlin.. So wird es immer sein und so bleibt es auch.‘
Rassismus ist in der Tat in den vergangen Jahren der rote Faden internationaler CSD-Veranstaltungen, von Toronto bis Berlin, sowie auch der weiteren schwullesbischen Landschaft (s. z.B. „Monster Terrorist Fag,“ den Artikel der Queer of Colour Theoretiker/innen Jasbir Puar und Amit Rai, der bereits 2002 erschien). Das Berliner CSD Motto 2008: ‚Hass du was dagegen?’ Homophobie und Transphobie werden hier als Probleme von Jugendlichen of Colour umdefiniert, die anscheinend nicht richtig Deutsch können, deren Deutschsein immer hinterfragt bleibt, und die schlicht nicht dazugehören. 2008 ist auch das Jahr, in dem der Hasskriminalitätsdiskurs Einzug in die deutsche Sexualpolitik hält. Diesen Aktivismus war bis dato in Deutschland kaum bekannt. Dennoch wurde Hassgewalt genau deshalb so schnell eindeutscht, weil ja bereits klar war, wer der hasserfüllte kriminelle Homophob ist: Migranten, die eh schon als kriminell gelten und immer leichter ins Gefängnis kommen und auch abgeschoben werden können. Diese Moralpanik wird von dubiosen Medienpraxen begleitet und von sogenannten wissenschaftlichen Studien „belegt“: Wo jeder Fall von Gewalt, mit dem eine homosexuelle, bisexuelle oder Transperson irgend etwas zu tun hat – egal ob der vermeintliche Täter weiß oder of Colour ist, und egal, ob der Hintergrund Homophobie, Transphobie, oder eine Verkehrsstreitigkeit ist, als der neueste Beweis von dem in Umlauf gerät, was wir eh schon alle wissen: Dass Homos (gerade anscheinend weiße Männer) es am allerschwersten haben, und dass ,die homophoben Migranten‘ die Hauptursache hierfür sind. Diese mittlerweile unhinterfragte Wahrheit ist nicht zuletzt auch die Frucht der Arbeit homonationalistischer (Puars Konzept) Organisationen wie dem LSVD und Maneo, deren enge Zusammenarbeit mit dem CSD Butler zur Ablehnung des Preises bewog. Diese Arbeit besteht v.a. aus Medienkampagnen, die Migrant/innen immer wieder als ‚archaisch‘, ‚patriarchal‘, ,homophob‘ und gewalttätig darstellen, und People of Colour in Deutschland als unintegrierbar abstempelte. Dennoch erhält eine dieser Organisationen nunmehr öffentliche Gelder, um People of Colour vor Rassismus schützen. Der ,Regenbogenschutzkreis – Schöneberg gegen Rassismus und Homophobie’ wurde von offizieller Seite prompt mit einer Polizeiverstärkung begrüßt. Als Anti-rassistInnen wissen wir leider zu gut, was mehr Polizei (ob gleichgeschlechtlich oder nicht) in einem Viertel, wo auch viele People of Colour leben, bedeutet – gerade zu Zeiten des „Kriegs gegen den Terror“ und der „Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit“.
Genau diese Tendenz weißer schwuler Politik, eine Politik der Solidarität, der Bündnisse und der radikalen Transformation durch eine der Kriminalisierung, Militarisierung und Grenzziehung zu verdrängen, skandalisiert Butler, wohl auch infolge der Kritik und der Schriften von Queers of Colour. Im Gegensatz zu vielen weißen Queers hat sie dafür ihren eigenen Nacken hingehalten. Für uns war dies in der Tat eine mutige Entscheidung.
Yeliz Çelik, Sanchita Basu, Lucy Chebout, Lisa Thaler, Jin Haritaworn, Jen Petzen und Cengiz Barskanmaz von SUSPECT
http://nohomonationalism.blogspot.com/2010/06/judith-butler-lehnt-berlin-csd.html
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2010-06-20 Heftige Diskussionen nach Kritik an CSD |
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UserReachOut
21.06.2010, 16:37 Uhr |
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Tagesspiegel
Die Veranstalter des Berliner Christopher Street Day wehren sich gegen Kritik an der Parade. Die Vorwürfe der US-Philosophin Butler seien falsch. Unterdessen wurde bekannt, dass ein HIV-Positiver auf einem Umzugswagen zwei Personen gebissen haben soll.
Die Kritik der amerikanischen Philosophin Judith Butler, der Berliner Christopher Street Day (CSD) sei zu kommerziell und die Veranstalter würden rassistische, imperialistische und kapitalistische Positionen vertreten, hat heftige Diskussionen ausgelöst. Butler hatte, wie berichtet, auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor den Preis für Zivilcourage des CSD mit einer Rede auf Deutsch abgelehnt. Kurz zuvor hatte Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, die Laudatio gehalten und dabei Kritik aus dem Publikum geerntet, weil sie Butlers Namen mehrfach falsch aussprach.
Zu einem Zwischenfall soll es Samstag auch auf einem Umzugswagen gekommen sein. Die Polizei nahm einen 43-Jährigen fest, der zwei Personen gebissen haben und nach eigenen Angaben HIV-positiv sein soll. Die Bissverletzungen sollen nicht geblutet haben, hieß es. Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen Ex-Teilnehmer der „Big Brother“-Sendung.
In ihrer Rede schlug Butler vor, den Preis lieber antirassistisch arbeitenden Vereinen zu geben wie „Gladt“, „Suspect“ oder „ReachOut“. Tülin Duman, Geschäftsführerin von Gladt, freut sich über die Haltung der Gender-Aktivistin. „Wir erleben immer wieder, wie einzelne Vertreter von Homosexuellenverbänden sich rassistisch äußern“, sagt sie. Sätze darüber, dass Türken und Araber „homophober sind“, bestärkten eine Mehrfachdiskriminierung. Auch seien falsch geführte Statistiken von Hilfsvereinen ein Problem, in die Einschätzungen der Täter wie „Ich glaube, es war ein Türke“ aufgenommen würden. „Wir spüren in der Paradeszene ein Rücken nach rechts“, sagt Duman.
Stephan Reck vom Infoportal Berlin.gay-web.de teilt die Kritik, der CSD sei zu kommerziell und zu unpolitisch. Auch bei dem Thema Mehrfachdiskriminierung „passiert zu wenig“, sagt er. „Viele Projekte haben nur schwule Männer im Blick.“ Der Geschäftsführer des CSD-Veranstalter-Komitees, Robert Kastl, wies die Vorwürfe entschieden zurück: „Das ist vollkommen absurd und haltlos, wir wenden uns massiv gegen jede Form von Rassismus.“ Die CSD-Organisatoren würden sich explizit von Islamophobie in der schwullesbischen Community distanzieren – „die es mitunter gibt“, so Kastl.
Was die Kommerz-Kritik angeht, sagte Kastl, man habe kleinen Gruppen wie Sonntagsclub e.V. die Gratis-Teilnahme ermöglicht und wirke der Kommerzialisierung entgegen. Üblicherweise liegt die Gebühr für einen Wagen je nach Größe zwischen 50 und 1500 Euro. Lediglich ein Viertel der Wagen werde von kommerziellen Anbietern wie Clubs gestellt, die große Mehrheit sei von Parteien oder Gewerkschaften. Das Budget von 190 000 Euro käme über Spenden, Gebühren und Sponsoren hinein, „anders können wir so ein Großereignis nicht stemmen“. Zu Butlers Forderung, dem Verein Lesbenberatung einen Preis zu geben, sagt Kastl: „Frau Butler wusste offenbar nicht, dass die Lesbenberatung diesen Preis schon bekommen hat.“ Der lesben- und schwulenpolitische Sprecher der Grünen, Thomas Birk, sagt, Butlers Auftritt sei ein „Affront“. Jeder CSD sei demokratisch vorbereitet, die politischen Forderungen seien oft in Bundesrats- oder Abgeordnetenhausinitativen gemündet. Man wolle viele Menschen erreichen, daher sei es zu begrüßen, dass der CSD in der Gesellschaft angekommen sei. „Und auch bei Gewerkschaftsdemos gibt es Getränke- und Essensstände.“ Es sei fatal für das Image der Stadt, welches Berlin-Bild Butler in die USA zurücktrage.
Sirko Salka, Chefredakteur des Magazins „Siegessäule“ äußerte sich versöhnlich: „In Berlin haben wir Glück, dass wir zweimal CSD feiern können - vor dem Brandenburger Tor und am 26. Juni in Neukölln und Kreuzberg beim alternativen Transgenialen CSD. Beide CSDs waren und sind politisch.“ Die Tatsache, dass in den vergangenen zehn Tagen über vier Überfällen auf Schwule und Lesben berichtet wurde, zeige, dass jede Demonstration trans- und homosexueller Lebensweisen wichtig und hochpolitisch sei.
Butler kam auf Einladung der CSD-Veranstalter. Diese zahlen den Flug und ihre Unterkunft im Hotel Adlon. FERDA ATAMAN, ANNETTE KÖGEL, JÖRN HASSELMANN
http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/heftige-diskussionen-nach-kritik-an-csd-/1864540.html
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2010-06-20 „Diskriminierung sitzt ganz tief in jedem von uns“ |
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UserReachOut
30.06.2010, 14:35 Uhr |
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amadeu-antonio-stiftung.de
Jugendliche aus Rostock und Gützkow beschäftigen sich seit einem halben Jahr mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Diskriminierung, Mobbing und Gewalt war Thema eines Wochenendseminars in Waren, das viele Denkanstöße gegeben hat.
Beim Thema Diskriminierung hat fast jede etwas zu erzählen – aus der Perspektive der Betroffenen und der Täter. Da geht es um Lehrerinnen, die einen in der Grundschule vor der Klasse gedemütigt haben, Mädchen, die von Männern belästigt wurden, Cybermobbing, das Mädchen in der Klasse, das niemand leiden konnte. Und jeder hat schon mal abgewogen, einzuschreiten, wenn man Zeuge von Diskriminierung wurde. Das sind Erfahrungen, über die sich Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren aus Mecklenburg Vorpommern offen austauschten. Und schnell ist man sich einig: „Eingreifen und nicht einfach Wegsehen!“; Aufklärung wird gefordert. Soweit die Theorie.
„Zuerst bei sich selbst gucken“
Wie schwierig es ist, die Theorie in die Praxis umzusetzen, durchleben die Jugendlichen in einem Rollenspiel. Zwölf Personen sitzen in einem Boot. Ein kleiner Papierschnipsel weist jedem eine Rolle zu. Vertreten sind ein Soldat, der gerade aus Afghanistan zurückgekehrte, eine alleinerziehende Mutter, eine 16-jährige Schulabbrecherin, ein 32 jähriger Muslim, eine Prostituierte mit HIV usw. Das Boot wird untergehen. Ein Floß kann nur vier Menschen retten. Ein Dilemma und doch muss entschieden werden: Wer darf auf das Floß? Wer hat es verdient, wer ist nützlich, für wen entscheidet die Moral? Die Schülerinnen und Schüler beginnen abzuwägen. Kranke, Behinderte und Alte haben quasi keine Chance. Eine ganze Reihe von Diskriminierungsmerkmalen – Merkmale, die gerade noch als Ideologie der Ungleichwertigkeit erkannt wurden, spiegeln sich beklemmend in diesem Aushandlungsprozess wieder. Und am Ende bleibt die Frage: schätzen wir wirklich jeden Menschen gleich? Sich mit seinen eigenen Vorurteilen zu beschäftigen, erfordert viel Mut. Ein Teilnehmer resümiert kritisch: „Meine wichtigste Erkenntnis ist, dass Diskriminierung tief, tief in jedem von uns steckt, dass jeder einmal gemobbt hat und es nicht einfach ist und viel Willen erfordert nicht zu mobben.“
„Selbst aktiv werden“ – von der Theorie in die Praxis
Das Wochenendseminar zu Diskriminierung, Mobbing und Gewalt ist ein Teil einer ganzen Seminarreihe, die die Jugendlichen durchlaufen und damit einen Pass als Coach für interkulturelle Jugendarbeit erwerben. Die provokanten Gedankenanstöße hat das Berliner Team von Reach Out ausgelöst, die dieses Seminar gestalteten und sehr begeistert von dem Reflexionsniveau und der Kreativität der Gruppe sind. In vorangegangenen Seminaren wurden Elemente gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Blick genommen. Rassismus und Antisemitismus, Sexismus und Homophobie waren Themen. Jetzt sitzen die Teilnehmenden des Programms in den Startlöchern, um selbst aktiv zu werden. Nach den Sommerferien geht es los mit der Planung eigener lokaler Projekte, die auf die Stärkung der Gleichwertigkeits- und Menschenrechtsorientierung abzielen. Und dabei ist alles möglich: ein Filmprojekt, eine Veranstaltungsreihe zu Rassismus an der Schule, eine Umfrage im eigenen Stadtteil – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Für die Umsetzung der eigenen Ideen bekommen die Schülerinnen und Schüler viel Unterstützung. Lisa Kleinevoss von der RAA Mecklenburg Vorpommern hält engen Kontakt, und einen regelmäßigen Austausch mit den anderen Projektgruppen wird es auch geben. Wir dürfen also gespannt sein.
Koordiniert wird das Projekt von der Amadeu Antonio Stiftung. Damit setzt sie die Arbeit des Praxis Netzwerkes „Living Equality“ fort, Wege der Intervention gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichekit zu erproben. Möglich gemacht hat das Projekt die Förderung des XENOS Programms und die Freudenberg Stiftung. Wer sich für das Projekt interessiert, vielleicht selbst aus Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern kommt und noch mitmachen möchte, sollte sich bald melden – denn noch könnt Ihr einsteigen. Mehr Informationen sind zu erhalten über die RAA Brandenburg, die RAA Mecklenburg Vorpommern oder direkt über die Amadeu Antonio Stiftung. HENRIKE HERRMANN
Henrike Herrmann, Amadeu Antonio Stiftung
Telefon 030 24088613
henrike.herrmann(at)amadeu-antonio-stiftung.de
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/diskriminierung-sitzt-tief/
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