OPRA zu rassistisch, rechts und antisemitisch motivierten Gewalttaten gegenüber Kindern und Jugendlichen

Stephanie Cuff-Schöttle spricht im Namen von OPRA über rassistisch, rechts und antisemitisch motivierte Gewalttaten gegenüber Kindern und Jugendlichen

Wissenswertes über das Projekt OPRA

Das Projekt OPRA berät als psychologische Opferberatungsstelle seit dem Jahre 2003 unter der Trägerschaft von ARIBA e.V. Opfer von rassistisch, rechts und antisemitisch motivierten Straftaten, sowie deren Angehörige. Ziel ist es eine psychologisch fundierte, kurz- und mittelfristige als auch traumazentrierte Opferberatung für die genannten Opfergruppen anzubieten um der Entwicklung und Aufrechterhaltung psychischer Langzeitfolgen aufgrund derartiger Gewalttat entgegen zu wirken.

Rassistisch, rechts und antisemitisch motivierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen

Wovon sprechen wir?
Rassistische, rechte und antisemitische Übergriffe in Form von verbaler und körperlicher Gewalt passieren leider auch vielen Kindern und Jugendlichen. Noch öfter sind sie Zeug*innen solcher Angriffe wenn ihre Angehörigen oder Freunde betroffen sind. Spricht man über solch motivierte Taten gegenüber Kindern und Jugendlichen macht es zum einen Sinn rassistische, rechte und antisemitische Gewalttaten, welche meist im öffentlichen Raum wie z.B. auf Spielplätzen, an Bushaltestellen oder in Kaufhäusern stattfinden (z.B. Pöbeleien, Anspucken, Verfolgung, Schubsen, Schlagen) von rassistisch, rechts und antisemitisch motiviertem Mobbing (z.B. ausgeschlossen werden, beschimpft werden, geschlagen werden), welches gehäuft in Institutionen der Bildungseinrichtungen oder in Sportvereinen auftritt, zu unterscheiden. Beiden Ausprägungen gemeinsam ist, dass sie für viele Kinder und Jugendliche zur Alltagsrealität gehören, die Dunkelzifferrate aber als sehr hoch vermutet werden muss.

Im Bezug auf die Täter*innen solcher Angriffe lassen sich somit sowohl Erwachsene, als auch Kinder und Jugendliche unter den Angreifer*innen finden. Dabei spielen weder die tatsächliche Herkunft, Beruf und Identität der Täter*in noch die der Opfer eine Rolle. Ausschlaggebend ist allein die rassistische, rechte und antisemitische Zuschreibung der Täter*in und deren/dessen Motivation. Insbesondere Angriffe unter Kindern und Jugendlichen laufen oft Gefahr als Streitereien bagatellisiert zu werden, so dass die Opfer oft über Jahre Anfeindungen und Erniedrigungen ausgesetzt sind, die oftmals in Gewalt münden.

Welche Folgen haben derartige Erlebnisse für die Betroffenen?
Auch hier ist es sinnvoll erst einmal eine Unterscheidung zu treffen zwischen einmaligen Erlebnissen und sich über längere Zeit andauernden oder wiederholenden Erlebnissen, wie sie z.B. im schulischen Kontext bei rassistischem Mobbing zu finden sind. Während plötzliche Angriffe (wie bspw. Schläge durch einen fremden Erwachsenen auf dem Spielplatz) meist eine unmittelbare Erschütterung des Urvertrauens hervorrufen können, lassen sich die Auswirkungen länger andauernder und sich wiederholender Erlebnisse, wie es beispielsweise beim rassistischen und antisemitischen Mobbing z.B. im Schulkontext der Fall ist, oft nicht so leicht zu erkennen, obwohl sie dennoch als Existenzbedrohung erlebt werden. Was allerdings für beide Formen traumatischer Ereignisse gilt ist, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen in derartigen Situationen große Hilflosigkeit, Entsetzen und/oder (Todes-)Angst empfinden. Das Erlebte wird als Einschnitt erlebt, welches mit den vorherigen Lebenserfahrungen nicht vereinbar ist, die Betroffenen zutiefst in ihrem Vertrauen gegenüber der Welt, den Menschen und sich selbst verunsichert und für dessen Verarbeitung die bisher zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen oft nicht ausreichen. Bei Kindern ist es dabei nicht so relevant ob das Kinder/ der Jugendliche die Situation selbst erlebt hat oder 'nur' Zeug*in solcher Angriffe war. Insbesondere wenn die eigenen Eltern oder Geschwister angegriffen werden sind die Kinder oft sehr belastet.

Was hilft betroffenen Kindern und Jugendlichen?
Zunächst ist es wichtig anzuerkennen, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen einschneidende Erfahrungen gemacht haben, die einen Einschnitt in ihr bisheriges Leben bedeutet und ihr danach gezeigtes Verhalten eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis darstellt. Deshalb sollten die Betroffenen auf den verschiedensten Ebenen altersgerechte und bedürfnisorientierte Unterstützung erfahren welche die Kinder und Jugendlichen im Fokus hat. Fanden das/die Erlebnisse beispielsweise im institutionellen Kontext statt ist es für die Betroffenen beispielsweise essentiell die Erfahrung zu machen, dass sie, auch bzgl. ihrer rassistischen bzw. antisemitischen Diskriminierungserfahrungen ernst genommen werden und dass sich daraus ein Sicherheits- bzw. Schutzkonzept ableitet, welches die Betroffenen nachvollziehen können und ihnen dabei hilft wieder ein Gefühl von Sicherheit zu bekommen. Insbesondere einem einfühlsamen Umgang der Lehrkräfte als primäre Bindungspersonen im schulischen Alltag kommt eine besondere Funktion zu. Solidarität und Anerkennung durch die Lehrkräfte und ein altersgerechtes Mitwirken ist für die Betroffenen oftmals ein wichtiger Faktor um das Gefühl der Hilflosigkeit zu schmälern und das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu erhöhen. Eine weitere wichtige Rolle kommt natürlich auch den nahestehenden Bezugspersonen des Kindes zu. Nach derartigen Angriffen können vor Allem Kinder zunächst wieder in bereits überbrücktes Entwicklungsverhalten zurückkehren, indem z.B. ein bereits trockenes Kind wieder beginnt einzunässen. Bei Jugendlichen lassen sich nicht selten eine verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und/oder Veränderungen auf der Verhaltensebene, wie Beispielweise Gereiztheit oder aggressives Verhalten beobachten.

Eltern können ihre Kinder und Jugendlichen unterstützen indem sie die seit dem Ereignis auftretenden Verhaltensveränderung erst einmal annehmen und den Fokus darauf legen dem Kind oder Jugendlichen Sicherheit zu vermitteln. Das kann auch bedeuten sein Kind oder den/die Jugendliche dazu zu ermutigen mit ihm/ihr zusammen eine Beratungsstelle wie Beispielweise KIDs (Kinderwelten) oder OPRA aufzusuchen oder mit seinem Kind/Jugendlichen aktiv vorurteilsfreie Räume zu suchen, wie Beispielweise extra dafür konzipierte Empowermentworkshops für betroffene Kinder- und Jugendliche oder Onlinegruppen in welchen sich Betroffene austauschen und stärken können. Darüber hinaus gibt es Literatur die wir Beispielsweise empfehlen um mit dem Kind/Jugendlichen altersgerecht über die Themen Identität, Ausgrenzung und Mobbing ins Gespräch kommen zu können.

Kontakt:

OPRA – Psychologische Beratung für Opfer rechtsextremer, rassistischer & antisemitischer Gewalt

Beusselstrasse 35 (Hinterhaus)
10553 Berlin

Tel 030 92 21 82 41 (Anrufbeantworter)
Fax 030 69 56 83 46

info@opra-gewalt.de
www.opra-gewalt.de

 

Deutsch
Datum: 
Mittwoch, März 6, 2019
Titel: 
Pressekonferenz 06.03.2019: Opra zu Angriffen auf Kinder